Ehrlich gescheitert: Warum wir eine öffentliche Ausschreibung wegen fehlender Zertifizierung nicht gewonnen haben

Serverracks in einem Rechenzentrum

Die meisten Anbieter schreiben nur über gewonnene Projekte. Wir finden: Aus einer verlorenen Ausschreibung lässt sich oft mehr lernen — und genau das teilen wir hier offen.

Die Ausgangslage

Über ein öffentliches Vergabeportal wurden wir auf eine Ausschreibung einer Bundesbehörde im Umweltbereich aufmerksam gemacht. Fachlich passte die Anforderung gut zu unserem Portfolio — bis wir die Muss-Kriterien im Detail gelesen haben.

Das Muss-Kriterium, das uns aus dem Rennen genommen hat

Gefordert waren konkrete Personenzertifizierungen im Bereich Kubernetes und VMware — nicht als “wünschenswert”, sondern als hartes Ausschlusskriterium. Wir betreiben unsere Infrastruktur zuverlässig und sicher, aber ohne diese spezifischen, oft eher für klassische On-Premise-Infrastrukturprojekte relevanten Einzelzertifikate. Das Ergebnis: Eine an sich fachlich passende Lösung durfte aufgrund eines rein formalen Kriteriums gar nicht erst angeboten werden.

Was das für die Ausschreibungspraxis öffentlicher Stellen bedeutet

Muss-Kriterien in Ausschreibungen orientieren sich häufig an klassischen Infrastrukturprojekten, nicht an modernen SaaS-Betriebsmodellen. Für Cloud-native Anbieter kann das ein struktureller Nachteil sein — unabhängig von der tatsächlichen Sicherheit oder Qualität der Lösung. Wer als Vergabestelle moderne Software beschaffen möchte, sollte Muss-Kriterien regelmäßig auf genau diesen blinden Fleck prüfen.

Was wir seitdem anders machen

Wir prüfen Muss-Kriterien inzwischen vor jeder Angebotsentscheidung als ersten Schritt, nicht erst nach der fachlichen Bewertung — das erspart allen Seiten unnötigen Aufwand, wenn ein Kriterium strukturell nicht erfüllbar ist.

Häufig gestellte Fragen

Sind Zertifizierungs-Anforderungen in Ausschreibungen üblich?
Ja, besonders bei Behörden und größeren Organisationen mit eigener IT-Governance — allerdings variiert stark, ob sie als Muss- oder nur als Kann-Kriterium formuliert werden.

Kann man gegen ein solches Kriterium Einspruch erheben?
Formal ist das in bestimmten Vergabeverfahren möglich, in der Praxis aber aufwändig und selten erfolgreich, wenn das Kriterium im Vorfeld korrekt veröffentlicht wurde.

Wie erkennt man solche Kriterien frühzeitig?
Am besten durch eine strukturierte Erstprüfung der Muss-Kriterien vor der inhaltlichen Angebotserstellung — genau das haben wir seitdem in unseren Prozess aufgenommen.

Sie stellen Ausschreibungsunterlagen zusammen und möchten wissen, wie SaaS-Anbieter auf klassische Infrastruktur-Kriterien reagieren? Wir teilen unsere Erfahrung gerne — auch außerhalb eines konkreten Verfahrens.

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